Waat sammelt 107,1 Mio. € für Ausbau der Ladeinfrastruktur
Das französische Ladelösungs-Startup Waat hat eine Growth-Finanzierungsrunde in Höhe von 107,1 Mio. € abgeschlossen. Der deutsche Vermögensverwalter DWS führte die Runde an, unterstützt durch die französische Förderbank Bpifrance und den Nachhaltigkeitsfonds Raise Impact. Die Finanzierung unterstreicht das wachsende Investoreninteresse an dezentraler Ladeinfrastruktur – einem Schlüsselsegment für die europäische Elektromobilitätswende.
Dezentrale Ladelösungen für den Wohnungsmarkt
Waat konzentriert sich auf ein spezifisches, aber großes Problem: Die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur in Wohn- und Arbeitskontexten. Das Unternehmen baut Ladesysteme in privaten Parkplätzen von Mehrfamilienhäusern, Sozialwohnungen und Bürokomplexen ein – dort, wo die meisten Fahrzeuge die meiste Zeit verbringen. Diese dezentrale Strategie adressiert eine häufig übersehene Lücke im europäischen Ladenetzwerk. Während öffentliche Schnellladestationen die Langstreckeninfrastruktur bilden, fehlt es oft an praktischen Ladelösungen für tägliche Nutzungen im Wohnumfeld.
Das Geschäftsmodell kombiniert zwei Komponenten: Zum einen die physische Installation und das Management von Ladeinfrastruktur, zum anderen eine Softwareplattform. Diese App ermöglicht es Betreibern und Nutzern, die Leistung der Ladepunkte zu überwachen, zu optimieren und zu verwalten. Durch intelligentes Load-Management können mehrere Ladepunkte koordiniert werden, um Netzbelastungen zu minimieren – besonders relevant in älteren Wohngebäuden mit begrenzter Stromkapazität.
Waat richtet sich an Wohnungsgesellschaften, öffentliche Wohnungsunternehmen und Facility Manager von Büroimmobilien. Diese Zielgruppen haben ein starkes Interesse daran, ihre Immobilien zukunftsfest zu gestalten und ihre Mietquoten zu verbessern – Elektromobilität ist dabei ein zunehmend wichtiger Differenziator im Wettbewerb um Bewohner und Mieter.
Prominente Investorengruppe mit Nachhaltigkeitsfokus
Die Finanzierungsrunde wurde von DWS angeführt, einem der weltweit größten Vermögensverwalter mit starkem Engagement in nachhaltigen Geldanlagen. Die Beteiligung DWS signalisiert, dass institutionelle Kapitalquellen die Langfristigkeit des EV-Ladenetzwerk-Themas ernst nehmen. Bpifrance, Frankreichs Förderbank, unterstützt das Unternehmen mit öffentlichen Mitteln – ein Zeichen für staatliche Prioritäten bei der Dekarbonisierung des Transportsektor. Raise Impact, der Nachhaltigkeitsfonds, ist ein historischer Investor Waats und zeigt damit langfristiges Vertrauen in die Geschäftslogik.
Das frische Kapital soll für mehrere strategische Ziele eingesetzt werden: Geografische Expansion über Frankreich hinaus, Produktentwicklung der Softwareplattform sowie Teamaufbau in technischen und operativen Bereichen. Mit 107,1 Mio. € verfügt Waat über substanzielle Mittel, um seinen First-Mover-Vorteil in der dezentralen Ladeinfrastruktur auszubauen.
Timing im Kontext europäischer Mobilitätswende
Die Runde kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Verkehr zu dekarbonisieren – und während die großen Autohersteller massiv in Elektromobilität investieren, hinkt die Ladeinfrastruktur oft hinterher. Besonders in Südeuropa und in älteren Stadtvierteln fehlt es an modernen Ladelösungen. Ein dezentrales Modell wie das von Waat skaliert schneller als teure, großflächige Schnelladenetzwerke und erzielt höhere Auslastungsquoten.
Waat konkurriert in einem fragmentierten Markt mit lokalen Playern, etablierten Energieversorgern und anderen Tech-Startups. Der Fokus auf Wohnimmobilien unterscheidet Waat von reinen Flottenlösungen und öffentlichen Netzwerkanbietern und schafft starke Moats durch langjährige Kundenbeziehungen.
Weg zu europäischer Skalierung
Mit insgesamt 107,1 Mio. € eingesammeltem Kapital betritt Waat die Phase der europäischen Skalierung. Das Unternehmen sitzt in Frankreich und wird das Geld nutzen, um in andere westeuropäische Märkte zu expandieren – Deutschland, Benelux und UK sind wahrscheinliche nächste Ziele. Die Balance zwischen Hardware-Deployment und Software-Skalierbarkeit wird entscheidend sein für die Profitabilität auf längere Sicht. Waat hat damit die Chance, zum europäischen Standard für dezentrale Ladeinfrastruktur zu werden.







