Vivici sichert sich 13,3 Mio. € vom European Innovation Council
Das niederländische Biotechnologie-Unternehmen Vivici hat 13,3 Mio. € in einer Growth-Finanzierungsrunde eingesammelt. Die Förderung stammt vom European Innovation Council (EIC) Accelerator Programme, einem der ambitioniertesten Förderprogramme der Europäischen Union für innovative Deep-Tech- und Biotech-Startups. Die Finanzierung unterstreicht das Potenzial von Vivicis Ansatz, die Proteinproduktion durch Präzisionsfermentation zu revolutionieren und damit eine nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen tierischen Proteinquellen zu schaffen.
Nachhaltige Proteine durch Präzisionsfermentation
Vivici nutzt Präzisionsfermentation, um Milchprotein-Ingredienzen unter dem Portfolio-Namen Vivitein herzustellen – komplett ohne Tierhaltung. Die Technologie ahmt den natürlichen Prozess der Milchproteinproduktion nach und nutzt dafür optimierte Mikroorganismen in kontrollierten Fermentationsanlagen. Das Ergebnis sind hochwertige Proteinzutaten, die funktional und geschmacklich mit konventionellen Milchproteinen identisch sind, aber ökologisch deutlich effizienter produziert werden.
Das Geschäftsmodell zielt auf Nutrition-Innovatoren ab – Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, Sportgetränken, Proteinriegeln und funktionalen Lebensmitteln. Diese Zielgruppe sucht zunehmend nach nachhaltigen, transparenten Rohstoffquellen, um ihre Produkte den wachsenden Anforderungen von umweltbewussten Konsumenten gerecht zu machen. Vivicis Vivitein-Ingredienzen adressieren einen Markt, in dem traditionelle Molkereiproteine unter Druck geraten – sowohl wegen ihrer ökologischen Fußabdrücke als auch wegen Tierschutz- und Allergiefragen.
Was Vivici von anderen Biotech-Playern unterscheidet, ist die Fokussierung auf bewährte Anwendungsbereiche statt auf vollständig neue Proteinquellen. Während viele Startups an Insektenproteinen, Algen oder laborgewachsenem Fleisch arbeiten, positioniert sich Vivici als direkter Ersatz für etablierte Produkte – mit geringeren Adoptionshürden für Kunden.
EIC-Unterstützung für europäische Innovationskraft
Das European Innovation Council Accelerator Programme ist eine der begehrtesten Fördermaßnahmen für Deep-Tech-Startups in Europa. Das EIC vergibt nicht nur Kapital, sondern bietet auch Zugang zu Mentoring, Netzwerk und Business-Development-Support. Für Vivici bedeutet die Förderung eine Validierung des Technologie- und Marktansatzes auf europäischer Ebene.
Die 13,3 Mio. € werden voraussichtlich in die Skalierung der Produktionskapazitäten, die Markterschließung und die Regulierungszulassung fließen. Präzisionsfermentations-Produkte erfordern umfangreiche Zulassungsverfahren bei Lebensmittelbehörden, besonders bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Eine Mittelverwendung für diese regulatorischen Prozesse ist typisch in dieser Branchensegment.
Wachsender Markt für alternative Proteine
Der Markt für alternative Proteine wächst weltweit zweistellig. Die Biotech-gestützte Proteinproduktion gilt dabei als eines der Zukunftsszenarien für nachhaltige Ernährung. Unternehmen wie Perfect Day (USA), MycoWorks oder Geltor haben Millionensummen in ähnliche Ansätze investiert, wenngleich mit unterschiedlichen Protein-Fokussen. Vivicis Spezialisierung auf Milchproteine positioniert das Unternehmen in einem strategisch wertvollen Segment, da Milchprotein einer der am häufigsten genutzten Proteinzutaten in der Lebensmittelindustrie ist.
Die bisherige Finanzierungshistorie von Vivici deutet auf einen fokussierten Aufbau hin. Mit der EIC-Förderung hat das Unternehmen nun eine signifikante Kapitalspritze zur Skalierung erhalten – eine typische Meilenstein-Finanzierung für Biotech-Startups, die die Proof-of-Concept-Phase verlassen und in die kommerzielle Realisierung gehen.
Skalierung aus den Niederlanden
Vivici sitzt in den Niederlanden, einem europäischen Biotechnologie-Hub mit starken Verbindungen zu Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und innovativer Forschung. Mit insgesamt 13,3 Mio. € Kapital verfügt das Unternehmen über substanzielle Mittel, um in den kommenden zwei bis drei Jahren bedeutsame Fortschritte zu erzielen. Nächste kritische Schritte werden die Erlangung von Novel-Food-Zulassungen, die Etablierung erster kommerzieller Partnerschaften mit großen Food-Tech-Unternehmen und der Aufbau einer skalierbaren Produktionsinfrastruktur sein.




