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Warum Defense Tech jetzt relevant wird

Johannes Fiegenbaum
Johannes Fiegenbaum
20. März 202610
Warum Defense Tech jetzt relevant wird

Zusammenfassung: Europas Verteidigungstechnologie-Sektor erlebt einen historischen Umbruch. Steigende NATO-Budgets, eine neue Generation technologiegetriebener Startups mit Dual-Use-DNA und ein fundamentaler Wandel in der institutionellen Wahrnehmung haben Defense Tech zur am schnellsten wachsenden Venture Capital-Kategorie Europas gemacht. Dieser Artikel analysiert die Treiber, die wichtigsten Akteure und die Frage, wie Investoren an diesem strukturellen Trend partizipieren können.

Warum Defense Tech jetzt relevant wird

Was lange ein Nischenmarkt für spezialisierte Rüstungskonzerne war, hat sich in den vergangenen zwei Jahren grundlegend verändert. Europas Venture Capital-Landschaft wird von einer neuen Dynamik erfasst, die drei Kräfte gleichzeitig vorantreibt: ein struktureller Anstieg der Verteidigungsausgaben über NATO und EU, technologische Innovation aus einer wachsenden Startup-Szene und die Bereitschaft institutioneller Investoren, Verteidigungstechnologie als eigenständige Anlagekategorie ernst zu nehmen.

Der Sektor hat sich dabei von einem Randthema zur schnellst wachsenden Venture Capital-Vertikale in Europa entwickelt. Laut Dealroom verzeichnete Defense Tech ein überdurchschnittlich hohes Wachstum im Vergleich zu allen anderen VC-Sektoren auf dem Kontinent (Dealroom, 2025). Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Hype, sondern das Ergebnis struktureller geopolitischer Verschiebungen, die Europa über das gesamte kommende Jahrzehnt prägen werden.

Der NATO-Budget-Tailwind als Nachfragemotor

Europas Verteidigungsausgaben befinden sich in einem Aufwärtstrend, der weit über kurzfristige politische Konjunktur hinausgeht. Beim NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 einigten sich die Bündnismitglieder auf ein historisches Investitionsziel: mindestens 3,5 Prozent des BIP für Kernverteidigungsausgaben, ergänzt um weitere 1,5 Prozent für sicherheitsrelevante Infrastruktur, Cyber-Verteidigung und Innovationsförderung (NATO, 2025). Das Gesamtziel von fünf Prozent des BIP bis 2035 markiert eine Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Rahmen und wurde von NATO-Generalsekretär Rutte als "transformativer Sprung" für die kollektive Verteidigung bezeichnet.

Deutschland hat besonders deutliche Signale gesetzt. Die deutschen Verteidigungsausgaben haben erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar überschritten, und die Bundesregierung plant, den neuen NATO-Zielwert bereits bis 2029 zu erfüllen (Heritage Foundation, 2025). Was noch vor wenigen Jahren als politisch undenkbar galt, ist zur Haushaltsnorm geworden. Die nordischen und baltischen Staaten bewegen sich mit ähnlicher Geschwindigkeit, während Polen inzwischen einen der höchsten BIP-Anteile aller NATO-Mitglieder für Verteidigung aufwendet.

Für die europäische Startup-Szene bedeutet diese Entwicklung einen substanziellen und langfristigen Nachfrage-Tailwind. Etablierte Rüstungskonzerne allein können die Kapazitätsanforderungen nicht decken, was neue Anbieter zwingend erforderlich macht.

ReArm Europe: Der europäische Hebel

Über nationale Budgets hinaus hat die EU mit dem ReArm Europe Plan einen eigenen Mechanismus geschaffen. Herzstück ist das SAFE-Instrument (Security Action for Europe), das im Mai 2025 vom EU-Rat verabschiedet wurde und der Europäischen Kommission erlaubt, bis zu €150 Milliarden an den Kapitalmärkten aufzunehmen (Rat der EU, 2025). Diese Mittel werden als zinsgünstige Darlehen an EU-Mitgliedsstaaten weitergereicht, zweckgebunden für gemeinsame Verteidigungsbeschaffung in Schlüsselbereichen wie Drohnen, Raketenabwehr und Cybersicherheit. Insgesamt zielt der ReArm Europe Plan darauf ab, über €800 Milliarden in Verteidigungsausgaben zu mobilisieren. Ein klares Nachfragesignal für Private-Markets-Investoren.

Gleichzeitig finanziert der Europäische Verteidigungsfonds (EDF) Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einem Gesamtprogramm von rund €8 Milliarden für den Zeitraum 2021 bis 2027. Diese EU-Mittel fließen zunehmend in die gleichen Technologiebereiche, in denen europäische KI-Startups und DeepTech-Unternehmen aktiv sind.


Die Startup-Landschaft: Europas neue Verteidigungs-Champions

Helsing, ICEYE und Quantum Systems: Die Defense-Unicorns

Europas DefenseTech-Ökosystem hat innerhalb weniger Jahre eine bemerkenswerte Reife erreicht. An der Spitze steht Helsing aus München, das sich zum wertvollsten privaten Verteidigungstechnologie-Unternehmen des Kontinents entwickelt hat. Das 2021 gegründete Unternehmen entwickelt KI-Software für Echtzeitentscheidungen in militärischen Systemen und hat im Juni 2025 eine Finanzierungsrunde von rund 691 Millionen Dollar abgeschlossen, angeführt von Prima Materia, dem Investmentvehikel von Spotify-Gründer Daniel Ek (TechCrunch, 2025).

Helsings strategischer Fokus hat sich 2025 und 2026 erheblich ausgeweitet. Das Unternehmen hat Partnerschaften für autonome Kampfflugzeuge, maritime Unterwasserüberwachung und KI-gestützte Satellitenaufklärung geschlossen. Mit der Übernahme des Flugzeugherstellers Grob Aircraft und der australischen Blue Ocean signalisiert Helsing den Übergang von einem reinen Softwareunternehmen zu einer integrierten Verteidigungsplattform.

ICEYE aus Helsinki ist das prägnanteste Beispiel für einen Dual-Use-Übergang: Ursprünglich als Erdbeobachtungsunternehmen für Klima und Umwelt gestartet, hat es sich zum führenden Anbieter synthetischer Apertur-Radar-Satelliten (SAR) mit starkem Verteidigungsgeschäft entwickelt. Über eine breite pan-europäische Investorenbasis und einen Bundeswehr-Vertrag im Milliardenwert verfügt das Unternehmen über eine mehrjährige Umsatzsichtbarkeit, die für Startups in diesem Stadium außergewöhnlich ist.

Quantum Systems aus München komplettiert dieses Trio europäischer Defense-Unicorns mit seinen hochentwickelten Aufklärungs- und unbemannten Flugsystemen. Das Unternehmen sicherte sich kürzlich ein umfangreiches Finanzierungspaket, getragen von der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Commerzbank, der KfW und der Deutschen Bank. Bereits zuvor hatten namhafte Venture-Capital-Investoren wie Project A, Bayern Kapital, HV Capital und General Catalyst ebenso wie der NATO-Innovationsfonds (NIF) in Quantum Systems investiert.

Parallel dazu entsteht in München mit Hades Mining ein DeepTech-Champion für Rohstoffsicherheit: Das 2025 gegründete Startup entwickelt Laserbohrtechnologie für den Bergbau, um den Abbau kritischer Rohstoffe in Europa effizienter und kostengünstiger zu machen. In einer Seed-Runde sammelte Hades Mining 15 Millionen Euro ein; beteiligt sind HV Capital und Headline als Co-Leads sowie Project A und Visionaries Tomorrow.

Takeaway: Die europäischen DefenseTech-Unicorns verbinden zwei Eigenschaften, die für Venture Capital entscheidend sind: strukturelle staatliche Nachfrage als Umsatzanker und kommerzielle Dual-Use-Anwendungen als Skalierungshebel.

Die nächste Kohorte: Plattform-Unternehmen im Wachstum

Hinter den Unicorns formiert sich eine zweite Welle von Unternehmen, die jeweils eigenständige Plattform-Ansätze verfolgen. ARX Robotics aus München, gegründet von ehemaligen Bundeswehr-Offizieren, kombiniert modulare unbemannte Bodensysteme mit einem eigenen KI-Betriebssystem, das bestehende militärische Fahrzeuge in autonome Einheiten transformiert. Zur Investorenbasis zählen neben HV Capital und Speedinvest auch der NATO Innovation Fund und Project A Ventures.

Onodrim aus Amsterdam, gegründet von Palantir-Alumni und Anfang 2026 aus der Stealth-Phase hervorgegangen, versteht sich als europäischer Gegenpol zu US-Plattformen. Die frühe Unterstützung durch bekannte Silicon-Valley-Netzwerke zeigt, dass transatlantisches Kapital zunehmend europäische Verteidigungsplattformen als strategische These betrachtet.


Das Investment-Ökosystem: Wer investiert?

Institutionelle Infrastruktur im Aufbau

Europa hat in den vergangenen Jahren eine dedizierte Verteidigungsinvestitions-Infrastruktur aufgebaut, die privates Kapital mit staatlichen Mandaten verbindet. Der NATO Innovation Fund (NIF) investiert als bislang größter dezidierter DefenseTech-Fonds Europas in DeepTech-Unternehmen in Bereichen wie Sensoren, Softwareplattformen und Raumfahrtkommunikation. Getragen von 24 NATO-Mitgliedsstaaten, fungiert er für viele Startups nicht nur als Kapitalquelle, sondern auch als Türöffner zu Regierungsmandaten und militärischen Testumgebungen.

Das DIANA-Programm der NATO wählte für 2025 einen Rekordjahrgang aus über 3.700 Bewerbungen aus 32 Ländern aus. Besonders auffällig: Die starke Vertretung mittel- und osteuropäischer Länder, darunter Rumänien, Estland und Tschechien. Das Programm signalisiert, dass Europas DefenseTech-Ökosystem auch geografisch breiter wird.

Die EIF InvestEU Defence Equity Facility mobilisiert über eine €175-Millionen-Initiative private Kapitalstrukturen für Dual-Use-Startups. Die jüngste Ankerkommitierung von €50 Millionen an Join Capital Fund III, der auf europäische Early-Stage-DeepTech-Startups in Verteidigung und Raumfahrt abzielt, markiert die bisher größte Einzelinvestition des EIF in den Verteidigungsbereich (European Commission, 2026).

Spezialisierte Fonds als neue Anlagekategorie

Neben den öffentlich verankerten Vehikeln entsteht ein privates Ökosystem spezialisierter Fonds in bemerkenswerter Geschwindigkeit. DTCP aus Hamburg lancierte Anfang 2026 mit "Project Liberty" den bislang größten privat gemanagten Venture Capital-Fonds Europas mit dediziertem Defense-Fokus und einem Zielvolumen von €500 Millionen (EU-Startups, 2026). Keen Venture Partners aus den Niederlanden, Expeditions aus Warschau und BSV Ventures aus dem Baltikum haben ebenfalls dedizierte Defense-Fonds aufgelegt, häufig mit Rückendeckung des NATO Innovation Fund oder des EIF.

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Die Beteiligung spezialisierter Fonds an europäischen Defense-Runden hat sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt (Vestbee, 2025). Diese Professionalisierung des Investoren-Ökosystems ist ein entscheidender Reifungsindikator, denn sie zeigt, dass Defense Tech nicht mehr als opportunistisches Nebenthema behandelt wird, sondern als eigenständige Anlagekategorie mit dedizierter Expertise und Kapitalinfrastruktur.


Die Dual-Use-Investmentthese: Warum sie für Investoren zählt

Was Dual-Use wirklich bedeutet

"Dual-Use" beschreibt Technologien, die sowohl militärische als auch zivile Anwendungen haben. Drohnen für Überwachung und Logistik, KI-Sensorfusion für autonome Fahrzeuge und Kampfsysteme, SAR-Satelliten für Klimaüberwachung und Geheimdienstzwecke. Diese Positionierung ist mehr als Marketingstrategie: Sie ist der Schlüssel zum Zugang zu breiteren Kapitalquellen, einschließlich ESG-konformer institutioneller Fonds.

Die strategische Logik dahinter ist überzeugend. Unternehmen mit echter Dual-Use-DNA erschließen mehrere Nachfragequellen gleichzeitig. Staatliche Beschaffung liefert verlässliche Grundauslastung und reduziert frühes Kapitalrisiko, während kommerzielle Märkte das Skalierungspotenzial und die Bewertungsmultiplikatoren treiben. Wer diese Struktur versteht, erkennt auch, warum Diversifikation über verschiedene Technologiesektoren bei der Portfoliokonstruktion so entscheidend ist.

Allerdings verläuft die Grenze klar: Reine kinetische Waffensysteme ohne zivile Anwendungskomponente stoßen bei der Mehrheit der VC-Community auf Zurückhaltung. Der investierbare Markt liegt mehrheitlich in Software, Autonomie, Aufklärung, Kommunikation und kritischer Infrastruktur.

Der ESG-Paradigmenwechsel

Noch vor wenigen Jahren schlossen die meisten institutionellen ESG-Fonds Verteidigungsinvestitionen pauschal aus. Diese Haltung hat sich fundamental verändert. Die europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA verabschiedete 2024 Leitlinien, die Verteidigungsinvestitionen als grundsätzlich vereinbar mit Nachhaltigkeitslabels definieren, sofern keine völkerrechtlich geächteten Waffen betroffen sind. Der deutsche Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) strich daraufhin die pauschale Umsatzschwelle für Rüstungsunternehmen aus seinem ESG-Zielmarktkonzept.

Die EU-Kommission bestätigte diesen Kurs im Rahmen des ReArm Europe Plans: Investitionen in Verteidigungsunternehmen sollen durch das SFDR-Nachhaltigkeitsrahmenwerk nicht ausgeschlossen werden. Für Private-Markets-Investoren öffnet dieser Wandel institutionelle Kapitalkanäle, die Defense Tech bisher vom breiten Kapitalmarkt abgeschnitten haben.


Geografische Innovations-Cluster: Wo die Zukunft entsteht

München als Gravitationszentrum

München hat sich als europäisches Epizentrum der neuen Verteidigungstechnologie-Welle etabliert. Die Nähe zu Bundeswehr-Beschaffungsstellen, ein dichter DeepTech-Talentpool und eine Gründerszene mit steigender Bereitschaft zu regulierten Märkten schaffen ein einzigartiges Ökosystem. Helsing, Quantum Systems, Hades Mining, ARX Robotics, Isar Aerospace: Alle haben ihren operativen Schwerpunkt in der Münchner Region. Diese Konzentration ist kein Zufall. Die Übergangsinfrastruktur zwischen ingenieurswissenschaftlicher Spitzenforschung und industrieller Skalierung, die München seit Jahrzehnten als DeepTech-Standort auszeichnet, bietet einen Vorsprung gegenüber anderen europäischen Städten.

Der baltisch-nordische Korridor und Mittelosteuropa

Die baltischen Staaten, Finnland und Polen bilden das am schnellsten wachsende Dual-Use-Innovationszentrum Europas. Die unmittelbare geografische Nähe zur russischen Grenze schafft eine besondere strategische Dringlichkeit, die politische Unterstützung und militärische Nachfrage unmittelbar verbindet. In der gesamten CEE-Region sind über 170 DefenseTech-Startups aktiv, unterstützt durch lokale Kapitalinfrastruktur und Programme wie Brave1 aus der Ukraine. Diese Region gehört zu den spannendsten Startup-Hotspots der kommenden Jahre.


Strukturelle Risiken: Was Investoren verstehen müssen

DefenseTech-Investments weisen spezifische Risikocharakteristika auf, die eine sorgfältige Einordnung erfordern. Das Verständnis dieser Risiken ist Voraussetzung für eine fundierte Investitionsentscheidung.

Beschaffungszyklen und VC-Zeitrahmen: Staatliche Rüstungsbeschaffung folgt mehrjährigen Zyklen mit umfangreichen Qualifikationsanforderungen. Die erfolgreichsten Modelle verbinden kommerzielle Dual-Use-Umsätze als Brückenfinanzierung mit staatlicher Beschaffung als skalierbarem Anker.

Technologische Souveränitätsprämie: Europas politischer Wille zur Verteidigungsautonomie schafft strukturelle Nachfrage für europäische Anbieter. Gleichzeitig ist die tatsächliche Beschaffungskapazität durch Haushaltszwänge begrenzt. Startups, die NATO-weite Lizenzen anstreben und nicht nur einen nationalen Markt bedienen, haben substanziell größere adressierbare Märkte. Diese Überlegung deckt sich mit dem Grundprinzip, dass Illiquidität in Private Markets als struktureller Vorteil funktionieren kann, wenn sie mit langfristiger Nachfragesicherheit gepaart ist.

Team-Komposition als Differenzierungsmerkmal: Die erfolgreichsten europäischen DefenseTech-Startups kombinieren Militärerfahrung (für Kundenverständnis und Zugang) mit technologischer Exzellenz (für Produktentwicklung) und kommerziellem Talent (für Skalierung). ARX Robotics mit Bundeswehr-Gründern und VC-Unterstützung verkörpert diese Komposition besonders gut.

Takeaway: Defense Tech ist keine Wette auf kurzfristige Aufträge, sondern ein strukturelles Investmentthema mit einem Zeithorizont, der zur Langfristigkeit von Venture Capital passt.


Zugangswege für Investoren

Direkte Beteiligungen an europäischen DefenseTech-Startups sind im Regelfall nicht zugänglich, da die Finanzierungsrunden von spezialisierten VCs und institutionellen Partnern dominiert werden. Der Zugang gestaltet sich hauptsächlich über drei Wege.

Venture Capital-Dachfonds mit DefenseTech-Exposition: Diversifizierte DeepTech-Fonds, die in autonome Systeme, Raumfahrt, Cybersicherheit und KI investieren, partizipieren strukturell am Defense-Tailwind, auch ohne dedizierten Verteidigungsfokus. Der iVC Innovation Fund investiert beispielsweise über europäische Top-VC-Manager, die als Co-Investoren neben dem NATO Innovation Fund oder dem EIF agieren, in ein breites Spektrum innovativer Technologien. Mit einer Mindestanlage von €10.000 und einer BaFin-regulierten Struktur bietet er eine Möglichkeit, über Dachfonds-Diversifikation an der Wertschöpfung europäischer Technologie-Champions zu partizipieren.

ELTIF-Strukturen mit DeepTech-Schwerpunkt: Die überarbeiteten ELTIF-Regelungen haben Mindestinvestitionsvolumina und Liquiditätsbeschränkungen gesenkt, was professionellen Investoren erstmals regulierten Zugang zu solchen Portfolios ermöglicht. Wer mehr über diese Strukturen erfahren möchte, findet in unserem Leitfaden zu geschlossenen Publikumsfonds und ELTIF eine detaillierte Einordnung.

Börsennotierte Vehikel als liquide Beimischung: Defense-ETFs mit Europa-Fokus bieten Exposition gegenüber etablierten Verteidigungsunternehmen wie Rheinmetall und Leonardo, erfassen jedoch nicht das Startup-Ökosystem. Für Investoren, die eine Core-Satellite-Strategie verfolgen, können sie eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen aber nicht die Partizipation am Innovationspotenzial junger Technologieunternehmen.


Ausblick: Strukturelle Trends bis 2028

Europas DefenseTech-Markt steht vor einer Phase, in der gefestigte Nachfrage auf eine wachsende, aber noch fragmentierte Angebotsseite trifft. Die mittelfristige Entwicklung wird von mehreren Dynamiken abhängen.

Produktionskapazität als Engpass: Das größte strukturelle Problem ist nicht Kapital oder Technologie, sondern Fertigungskapazität. Unternehmen wie ARX Robotics und TEKEVER bauen dedizierte Produktionsstätten auf und markieren damit den Beginn einer Industrialisierungsphase. Wer den Übergang vom Engineering-Startup zur skalierten Produktion meistert, wird zu den Marktführern der kommenden Dekade gehören.

Konsolidierung und M&A: Größere Aerospace-Konzerne investieren aktiv in junge Anbieter oder schließen strategische Partnerschaften. Laut Bain & Company haben europäische Rüstungskonzerne ihre Bewertungen im vergangenen Jahr deutlich gesteigert und nutzen dieses Eigenkapital für Zukäufe (Bain & Company, 2026). Für frühzeitig investierte Fonds eröffnet diese Konsolidierungsdynamik attraktive Exit-Wege.

KI als Plattform-Logik: Verteidigungstechnologie folgt zunehmend der gleichen Plattform-Logik wie Enterprise-Software. Unternehmen, die Operating Systems für militärische Hardware bauen, entwickeln Wechselkosten und Netzwerkeffekte, die eine strukturell andere Bewertungsdynamik erzeugen als Hardware-Lieferanten. Investoren, die diese Unterscheidung früh erkennen, können erhebliche Bewertungsasymmetrien nutzen.


Häufige Fragen (FAQ)

Was versteht man unter Defense Tech?

Defense Tech bezeichnet technologiegetriebene Unternehmen, die Lösungen für Verteidigungszwecke entwickeln. Im Unterschied zu klassischen Rüstungskonzernen setzen diese Startups auf Software, KI, autonome Systeme und Dual-Use-Technologien. Der Fokus liegt typischerweise auf Bereichen wie KI-gestützte Entscheidungssysteme, Drohnen, Satellitenaufklärung, Cybersicherheit und Quantentechnologie.

Warum wächst der europäische DefenseTech-Sektor so schnell?

Drei Faktoren treiben das Wachstum: erstens die massiv gestiegenen NATO-Verteidigungsbudgets (Zielwert von fünf Prozent des BIP bis 2035), zweitens EU-Programme wie das SAFE-Instrument mit €150 Milliarden für gemeinsame Beschaffung und drittens ein Paradigmenwechsel bei institutionellen Investoren, die Verteidigung nicht mehr als ESG-Ausschlusskriterium betrachten.

Wie können Investoren am DefenseTech-Trend partizipieren?

Direkte Beteiligungen an DefenseTech-Startups sind für die meisten Investoren nicht zugänglich. Die praktikabelsten Zugangswege sind Venture Capital-Dachfonds mit DeepTech-Exposition, ELTIF-Strukturen mit Dual-Use-Schwerpunkt und börsennotierte Defense-ETFs als liquide Ergänzung.

Welche Risiken bestehen bei DefenseTech-Investments?

Die spezifischen Risiken umfassen lange Beschaffungszyklen staatlicher Auftraggeber, regulatorische Unsicherheiten bei Exportgenehmigungen, die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und die typische Venture Capital-Illiquidität mit einem Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr. Dual-Use-Unternehmen können diese Risiken teilweise durch kommerzielle Umsatzströme abfedern.

Ist Defense Tech mit ESG-Kriterien vereinbar?

Die europäische Finanzaufsicht ESMA hat 2024 Leitlinien verabschiedet, die Verteidigungsinvestitionen als grundsätzlich vereinbar mit Nachhaltigkeitslabels definieren, sofern keine völkerrechtlich geächteten Waffen betroffen sind. Dual-Use-Technologien für Aufklärung, Cybersicherheit und autonome Systeme fallen in der Regel nicht unter ESG-Ausschlusskriterien.


Quellen

Bain & Company. (2026). M&A in Defense: Why All Eyes Are on Europe. https://www.bain.com/insights/defense-m-and-a-report-2026/

Dealroom. (2025). The State of Defence Tech 2025. Dealroom.co.

EU-Startups. (2026, 16. Januar). With their new €500 million fund, Germany's DTCP raises the bar for European defense and resilience capital. https://www.eu-startups.com/2026/01/

European Commission. (2026, 4. März). InvestEU Defence Equity Facility: EIF commits €50 million to Join Capital Fund III. https://defence-industry-space.ec.europa.eu/

Heritage Foundation. (2025). The 2025 NATO Summit. https://www.heritage.org/defense/report/the-2025-nato-summit

NATO. (2025, 25. Juni). The Hague Summit Declaration. https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/

Rat der EU. (2025, 27. Mai). SAFE: Council adopts €150 billion boost for joint procurement. https://www.consilium.europa.eu/

Tectonic Defense. (2025, September). Helsing Hits $14B. https://www.tectonicdefense.com/helsing-hits-14b/

Vestbee. (2025). Europe raises record $1.5B for defence tech. https://www.vestbee.com/insights/articles/

Zeitenwende Group. (2025, 28. Dezember). Europe's Defense Tech Venture Funding in 2025. https://www.zeitenwendegroup.com/

Für steuerliche und regulatorische Einordnung von DefenseTech-Investments empfiehlt sich spezialisierte rechtliche und steuerliche Beratung im Einzelfall.

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