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Das IVY League Portfolio: So investiert die amerikanische Eliteuniversität Yale

1985 bestand das Portfolio des Stiftungsfonds der Yale Universität - ähnlich wie bei vergleichbaren Fonds - hauptsächlich aus traditionellen Anlagen, das heißt,...

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
10. Mai 20234 min
Das IVY League Portfolio: So investiert die amerikanische Eliteuniversität Yale

1985 bestand das Portfolio des Stiftungsfonds der Yale Universität - ähnlich wie bei vergleichbaren Fonds - hauptsächlich aus traditionellen Anlagen, das heißt, Aktien, Anleihen und festverzinslichen Wertpapieren. Zum damaligen Zeitpunkt betrug das Gesamtvermögen ca. 1 Milliarde $.

Mit David Swensen erfolgte eine neue Anlagestrategie, welche Private Equity und Venture Capital bei der Portfolio-Allokation berücksichtigt. Die Strategie ging auf. 2021 betrug der Wert des Fonds 40 Milliarden $ und verzeichnete jahrzehntelang eine marktüberschnittliche Performance.


Portrait von David Swensen (1954-2021)

Blick in das Portfolio der Yale Universität

Das Stiftungsvermögen ist für die Universität Yale eine wichtige finanzielle Stütze. Die oberste Priorität der Stiftung ist es, Mittel für den Betrieb der Universität bereitzustellen, ohne das Stiftungsvermögen zu gefährden, sodass auch künftige Generationen vom Vermögen der Universität profitieren können.

Um dieses Ziel zu erreichen, investiert das Stiftungsvermögen mit einem langen Zeithorizont in verschiedene Anlageklassen. Zu den Anlagen gehören unter anderem aktuell (nach Größe des prozentualen Anteils): Hedge Fonds, Venture Capital, Private Equity, Foreign Equity, Real Estate, Bonds & Cash, Rohstoffe und US Equities.

Die Portfolio-Zusammensetzung der Yale Universität hat langfristig zu hervorragenden Ergebnissen geführt. In dem am 30. Juni 2022 endendes Jahrzehnt erzielte das Stiftungsvermögen von Yale eine Rendite von 12,0 % pro Jahr, auf 20 Jahre eine jährliche Rendite von 11,3 %, und auf 30 Jahre sogar eine Rendite von 13,1 %. (1)

Die Investmentstrategie von David Swensen

Der Erfolg des Yale Stiftungsfonds ist maßgeblich auf die Anlagestrategie von David Swensen zurückzuführen. Dabei besteht das Herzstück des sogenannten "Yale-Modells" auf Prinzipien, die Swensen von seinem Mentor, dem Nobelpreisträger James Tobin, übernommen hat.

Aufbauend auf der Arbeit des Kollegen und Nobelpreisträgers Harry Markowitz, dem Gründer der modernen Portfoliotheorie, hat Tobin ein eigenes Diversifikationsmodell entwickelt.

Dieses Modell sieht ein weitaus größeres Engagement in volatileren - aber langfristig auch ertragreicheren - Anlagen vor, die zur Risikominimierung auf öffentliche und private Märkte verteilt werden.

Swenson setzte dies in die Tat um und wagte einen für Stiftungsfonds ungewöhnlichen Schritt: Er beschloss, volatile und riskantere Anlageklassen ins Portfolio aufzunehmen.

Bestand 1985 der Yale Fonds etwa zu 80 % aus US-Aktien und -Anleihen, besteht der Fonds heute zu über 41 % aus Venture Capital (23,5 %) und Private Equity (17,5 %). US-Aktien, Anleihen und Barmittel machen inzwischen weniger als 10 % des Portfolios aus. (2)


Ebenfalls spannend: In 2018 hat Swensen mit Andreessen Horowitz und Paradigm zwei prominente Venture Capital Fonds in das Portfolio aufgenommen, die sich auf Unternehmen und Projekte im Blockchain Bereich fokussieren. Somit war die Yale Stiftung auch eine der ersten finanziellen Institutionen, die sich so an Krypto wagte! (3)

Yale-Portfolio im Detail: Konkrete Allokation damals und heute

Wer verstehen möchte, wie radikal sich das Yale-Modell von klassischen Anlagestrategien unterscheidet, sollte einen Blick auf die konkreten Zahlen werfen. Im Jahr 1985 bestand das Portfolio noch zu rund 75 Prozent aus US-amerikanischen Aktien und Anleihen – ein typisches, konservatives Universitätsportfolio. Heute sieht die Verteilung grundlegend anders aus: Rund 39 Prozent des Kapitals fließen in Private Equity, etwa 23 Prozent in Hedgefonds und absolute-return-Strategien, weitere 17 Prozent in Sachwerte wie Rohstoffe und Immobilien. Öffentlich gehandelte Aktien und Anleihen machen zusammen nicht mehr als 10 bis 15 Prozent aus.

Diese Verschiebung spiegelt die Überzeugung wider, dass illiquide Anlagen langfristig eine Risikoprämie abwerfen, die liquide Märkte schlicht nicht bieten können. Yale akzeptiert bewusst eingeschränkte Verfügbarkeit des Kapitals – ein Luxus, den eine Institution mit langem Zeithorizont und stabilen Zuflüssen aus Spenden tatsächlich genießen kann. Für das Geschäftsjahr 2025 verzeichnete das Stiftungsvermögen erneut eine solide Rendite, die deutlich über dem Durchschnitt traditionell verwalteter Portfolios lag.

Yale vs. Harvard, Princeton & Co.: Unterschiedliche Wege zum Erfolg

Obwohl alle großen Ivy-League-Universitäten mit milliardenschweren Stiftungsvermögen arbeiten, verfolgen sie keine identische Strategie. Harvard, mit einem Endowment von über 50 Milliarden US-Dollar das größte weltweit, setzt ebenfalls stark auf alternative Anlagen, hat aber historisch mehr interne Fondsmanager beschäftigt und mit einem gemischten Managementmodell experimentiert. Princeton hingegen gilt als besonders konsequent bei der Ausrichtung auf Private Equity und verbucht damit langfristig ähnlich starke Ergebnisse wie Yale.

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Der entscheidende Unterschied liegt oft in der Umsetzung: Yale pflegt seit Jahrzehnten exklusive Beziehungen zu ausgewählten Fondsmanagern und erhält dadurch Zugang zu Fonds, die für andere Investoren geschlossen sind. Dieser Netzwerkeffekt ist kaum replizierbar. Harvard hat in den 2010er-Jahren mehrfach die Strategie gewechselt, was zwischenzeitlich zu unterdurchschnittlicher Performance führte. Das zeigt: Das Modell allein reicht nicht – die konsequente, langfristige Umsetzung und institutionelles Know-how sind mindestens genauso entscheidend wie die Allokation selbst.

David Swensen: Der Mann, der die Investmentwelt auf den Kopf stellte

David Swensen übernahm 1985 die Leitung des Yale Endowment – mit gerade einmal 31 Jahren und ohne vorherige Erfahrung im institutionellen Asset Management. Zuvor hatte er bei Lehman Brothers und Salomon Brothers gearbeitet, wo er an frühen Zinsswap-Strukturen beteiligt war. Als Yale ihn abwarb, tauschte er ein Vielfaches seines damaligen Gehalts gegen eine akademische Institution ein – eine Entscheidung, die er nie bereute.

Swensens philosophische Grundüberzeugung war so einfach wie provokant: Die meisten institutionellen Anleger halten zu viele Aktien und Anleihen, weil diese Klassen bequem, liquide und leicht erklärbar sind – nicht weil sie die besten risikoadjustierten Renditen bieten. Er argumentierte, dass echte Diversifikation bedeutet, in Anlageklassen zu investieren, die sich strukturell anders verhalten, also Private Equity, Wald, Rohstoffe und Hedgefonds einzuschließen, statt sie zu meiden.

Damit provozierte er konservative Stiftungsräte und Pensionskassenmanager, die Illiquidität als inhärentes Risiko betrachteten. Swensen drehte dieses Argument um: Für einen Anleger mit langem Zeithorizont ist Illiquidität kein Risiko, sondern eine Prämie, die du einsammeln kannst – vorausgesetzt, du brauchst das Kapital nicht kurzfristig. Dieses Umdenken gilt bis heute als sein wichtigstes intellektuelles Erbe.

Renditevergleich: Wie stark ist Yales Vorsprung wirklich?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Über die vergangenen 20 Jahre erzielte das Yale Endowment eine annualisierte Rendite von rund 11,3 Prozent – der S&P 500 kam im gleichen Zeitraum auf etwa 9,8 Prozent. Klingt nach einem kleinen Unterschied, ist bei einer Milliardenbasis aber enorm: Aus einer Million Dollar werden nach 20 Jahren bei Yale rund 8,3 Millionen, beim Index dagegen etwa 6,5 Millionen.

Im Vergleich mit anderen Ivy-League-Stiftungen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Harvard, das mit über 50 Milliarden Dollar das größte Universitäts-Endowment der Welt verwaltet, hat in den letzten zehn Jahren schwächere Ergebnisse geliefert – teilweise bedingt durch interne Managementwechsel und eine zu starke Konzentration auf Rohstoffinvestments zum falschen Zeitpunkt. Princeton hingegen verfolgt ein ähnliches Modell wie Yale und liegt performancemäßig nahezu gleichauf.

Öffentliche Pensionskassen – etwa der California Public Employees' Retirement System (CalPERS) – erreichen im Schnitt nur 6 bis 7 Prozent jährlich, da sie strengeren regulatorischen Vorgaben unterliegen und kaum illiquide Anlagen halten dürfen. Das verdeutlicht: Yales Vorteil entsteht nicht durch Glück, sondern durch strukturelle Freiheiten, die dir als Privatanleger zumindest in abgeschwächter Form ebenfalls offenstehen – sofern du die richtigen Anlageklassen konsequent einbeziehst.

Die Rolle von alternativen Anlagen

Das Erkennen der Vorteile alternativer Anlagen hinsichtlich der Renditen und Diversifikationsmöglichkeiten war für den Erfolg des Yale Stiftungsfonds ausschlaggebend.

An dieser Stelle können Anlageklassen wie Private Equity und Venture Capital ihre Stärken ausspielen. Alternative Anlageklassen erzielen Renditen auf Märkten, die vom Aktien- und Anleihenmarkt weitestgehend unabhängig sind. Darüber hinaus führen Unterschiede wie im Anlagehorizont dazu, dass die Wertanlagen des privaten Marktes unempfindlicher gegenüber Marktzyklen und Rezessionen sind.

Auf diese Weise tragen alternative Anlagen dazu bei, das Portfolio von den Schwankungen der großen, öffentlichen Märkte zu entkoppeln. Zugleich steigern die potenziell höheren Renditen am privaten Kapitalmarkt langfristig die Gesamtrenditen. So führt die Beimischung der riskanten, aber renditestarken Anlageklasse Venture Capital nachweislich zur Optimierung des Rendite-Risiko-Profils eines Portfolios.

Das Ivy-Portfolio der erfolgreichen Yale Universität zeigt, wie wichtig alternative Anlageklassen für ein optimales Rendite-Risiko Profil sind. 

Dem Beispiel folgend haben sich in den vergangenen 25 Jahren alternative Anlagen wie Private Equity und Venture Capital zu einem festen Bestandteil institutioneller Portfolios entwickelt.

So machten nicht-traditionelle alternative Anlagen 1996 gerade einmal 5 Prozent der globalen Rentenportfolios aus. Im Jahr 2019 waren es bereits 25 Prozent. Ein Blick in die aktuellen Statistiken zeigt weiterhin, dass der private Kapitalmarkt Jahr für Jahr wächst und die Anlegergruppen sich stetig erweitern. (4)

(1) Yale Investment Office

(2) David Swensen, the Yale pioneer who reshaped investing

(3) Yale Dives into Cryptocurrency

(4) Alternative investments in modern portfolios 

Inventure Capital

Venture Capital als Anlageklasse

Side/Letter ist das Researchprodukt von Inventure Capital. Wir ermöglichen Privatanlegern und Family Offices den Zugang zu europäischen Top-Tier VC-Fonds.

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